Eine Hochtour auf den Olperer – wie aus dem Bilderbuch

04.07.2020-05.07.2020

Es war mal wieder eine wundervolle Abendtour auf das Kellerjoch, welche diese schöne Idee hervorgebracht hat. Endlich wieder eine Hochtour, endlich wieder 3000m Luft schnuppern, endlich wieder einen sauschweren Rucksack schleppen. Ok, auf letzteres habe ich mich ehrlich gesagt nicht so ganz gefreut, aber es gehört halt dazu.

Nach ein paar für und wider über welche Route es auf den Olperer gehen soll, einigten wir uns schlussendlich für das wohl schönste Gesamtpaket. Wir entschieden uns für die Überschreitung des Olperes, aus dem Valsertal heraus, mit einer Übernachtung auf der Geraer-Hütte.

Die Geraer-Hütte liegt wunderschön zwischen den aufragenden Gipfeln. Auch das Essen ist ausgezeichnet.

Abmarsch!

So ging es am Samstag nachmittags los. Ursprünglich zu dritt geplant, waren wir dann doch fünf Personen. Natürlich wie so oft war ich das einzige Mädel in der Runde, aber auch das wird man irgendwann gewohnt.

Der Anstieg zur Hütte trieb uns die Schweißperlen heraus, war der Weg hoch südseitig und die Sonne brannte erbarmungslos herunter. Da war ich doch dankbar, dass wir uns nicht im Karwendel befanden, denn so kreuzten wir immer wieder mal ein Bächlein mit frischem und kaltem Gebirgswasser.

Oben auf der Hütte angekommen, entledigte ich mich meines schweren Gepäckes und fand mich als erste von uns fünf auf der Sonnenterasse mit einem Radler in der Hand wieder, ach welch ein Genuss auf 2324m.

Ein kleines Highlight

Später am Abend mit gefülltem Magen dann das nächste Highlight. Spazierten doch mit einer Seelenruhe keine 100m von uns entfernt eine Herde Steinböcke vorbei. Nebenher versuchte auch noch ein Wiesel seine erbeutete Maus unbemerkt an uns vorbei zu schmuggeln. Die Tour konnte kaum besser starten und so ging es um 22 Uhr ins Bett um noch genug Erholung für den nächsten Tag zu finden.

Eine Herde aus neun Tieren konnten wir am Abend beobachten.

Schritt für Schritt nach oben

Gegen 6 Uhr morgens machten sich Christian, Tom und ich auf den Weg Richtung Nordgrat. Pati und Martin machten sich kurz darauf auf Richtung Olperer Hütte, auf den Rückwegen zur Geraer Hütte wollten wir uns wieder treffen. Zügig ging es immer weiter rauf, die kalte Morgenluft reichte nicht aus, um den durch die ersten Anstrengungen aufgeheizten Körper zu kühlen. Am Gletscher angekommen legte wir uns die Steigeisen und den Klettergurt an. Nicht mehr allein ging es die steileren Gletscher-Passagen hoch. Kurz vor der Wildlahnerscharte genossen wir die ersten Sonnenstrahlen in unserem Gesicht. Leider zogen auch in diesem Moment die ersten Nebelschwaden über den Gipfel des Olperes hoch.

Nach einer kurzen Stärkung ging es die letzten Meter am Schnee hoch zum Grat. Dort angekommen entschieden wir uns die Steigeisen abzulegen, schien der Grat von hier aus doch relativ schneefrei, parallel dazu legten wir uns das Seil an, denn wir sicherten uns am laufenden Seil.

Leider mit wenig Aussicht, dafür mit voller Konzentration am Nordgrat.

Trotz Nebel war die Sicht ausreichend und so startete Christian als Seilerster los, ich in der Mitte und Tom am Schluss. Es dauerte anfänglich ein bisschen, bis wir unseren Rhythmus gefunden hatten, aber danach ging es zügig immer weiter hoch.

Die Route weist eine maximale Schwierigkeit von 3 auf. Sie ist aber auch mit Entenfüßchen immer wieder versehen, gerade auf plattigen Stellen bin ich da sehr froh darüber. Auch die Schlüsselstelle ist aktuell durch eine zusätzliche Bandschlinge für kleinere Personen wie mich einfacher zu erklettern. Kurze Zeit später erreichten wir den Gipfel auf 3476m, als Kamerastativ für das Gipfelfoto musste Christans Jausen Semmel herhalten. Just in diesem Moment riss die Nebeldecke auf und wir konnten für wenige Sekunden einen wundervollen Ausblick genießen.

Es geht wieder runter

Bald darauf starteten wir auch sogleich den Abstieg über den Südostgrat. Die Route wartet mit einer maximalen Schwierigkeit von 2 auf, auch hier war es möglich ohne Steigeisen alles abzuklettern. Den paar entgegenkommenden Bergsteigern konnten wir leicht ausweichen und am Ende des Grates erleichterte uns der aufgeweichte Schnee den Abstieg.

Ohne Nebel kann man endlich die Aussicht genießen.

Gemeinsamer Gipfelerfolg und der lange Weg zurück

Wir wählten den direkten Weiterweg zum Riepenkopf, wo wir uns mit Pati und Martin wieder trafen. So erklommen wir doch noch gemeinsam einen Gipfel. Nach einer ausgedehnten Pause in der Sonne mit nun einwandfreiem Ausblick auf die umliegende Bergwelt hieß es die vorletzte Etappe in Angriff zu nehmen. So mussten wir auf ca. 2600m absteigen, um dann auf die Alpeiner Scharte auf über 2900m wieder aufzusteigen. In der doch sehr steilen Scharte lag immer noch viel Schnee. Da aufgeweichte und steile Altschneefelder alles andere als mein Lieblings-Terrain sind, zog ich mir wieder die Steigeisen an, diese geben mir doch etwas mehr Sicherheit. Nach diesen zusätzlichen sehr steilen 300 hm hieß es auf der anderen Seite ca. 700hm wieder bis zur Hütte absteigen. Aktuell ist der Weg auch auf dieser Seite alles andere als in einen angenehmen Zustand, so mussten wir uns durch sehr schlottriges Gelände mit kaum erkennbarem Weg runter arbeiten.

Der Weg zurück zur Alpeiner Scharte.

Endlich zurück auf der Hütte belohnten wir uns alle nochmals für die geglückte Tour mit gekühlten Getränken, um wieder Energie für die restlichen Abstiegsmeter zu finden. Am Ende bleibt nur noch zu sagen, welch ein Traumtour mit den richtigen Menschen, danke!

© Barbara Saxl (Juli 2020)

Thomas Reichart
Christian Bendler
Patrick Hauser

3 Antworten auf „Eine Hochtour auf den Olperer – wie aus dem Bilderbuch“

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