Die Traumnacht am Berg – die (vorerst) ein Traum bleibt

20/21.02.202021

Februar, Sonnenschein und bis zu 20 Grad. Klingt nach einer erfundenen Kombination, die aber tatsächlich an diesem Wochenende auf natürliche Weise zusammentraf.

Schon seit Jänner spukte der Gedanke in meinem Kopf eine Winterübernachtung am Berg zu wagen. Doch entweder war es zu windig, zu kalt oder generell zu schlechtes Wetter.

Nun war es aber so weit, die meteorologischen Bedingungen schienen perfekt und die Seekarspitze bot sich als geeignetes Ziel an.  Auch die Winterbesteigung dieses Berges weilt schon seit einige Zeit auf meiner to do Liste. Mit einem etwas technisch fordernden Aufstieg und einer steilen Abfahrt ist diese alles andere als ein langweiliges Tourenziel. Die Ausrichtung des Gipfels verspricht zusätzlich einen genussvollen Ausblick auf Sonnenaufgang wie Untergang.

Optimistisch hatten wir die Hälfte der Strecke schon hinter uns gelassen.

Am Samstagvormittag lief ich schon etwas ungeduldig durch die Wohnung. Ich war doch etwas aufgeregt, denn das Warten vor dem Aufbruch ist so gar nicht meins. Auch war ich gespannt, wie es mir wieder mit einem schweren Rucksack ergeht, denn dank Corona fallen Hüttenübernachtungen und Mehrtagestouren eher flach.

Um 14 Uhr ging es dann endlich los, der schwere Rucksack wurde hochgehievt, die Schie angeschnallt und losmarschiert. Bei den herrschenden Frühlingstemperaturen konnte man auch noch locker im T-Shirt gehen und der Schnee unter den Füßen war weich wie Butter. In hervorragender Stimmung stiegen wir immer weiter rauf. Recht bald zweigt die Route dann auf den Nordosthang rüber und ab da waren wir nur noch im Schatten unterwegs. Dies war auch zu Beginn kein Problem, aber je mehr Höhe wir gewannen, desto mehr wurde uns klar welche Schwierigkeiten auf uns zukommen.

Ab 1600m merkte man dann, dass der Schnee schon angezogen hat. Immer wieder rutschten die Schier leicht ab. Das war aber alles kein Problem, denn die Steilheit vom Gelände war noch in Ordnung für diese Verhältnisse. Die Steigung nahm aber weiter zu und teilweise war es schon schwierig die Bretter vernünftig in den Schnee zu drücken. Knapp unter 1800m war es dann endgültig vorbei. Der Schnee war schon so hart, dass ich kaum noch Halt fand. Nachdem ich mich bei einer weiteren Spitzkehre nicht mehr wohl fühlte, entschieden wir uns, es ohne Schi zu versuchen.

Die Entscheidung war gefallen, der Rückzug wurde gestartet.

Also wurden diese auf den Rucksack geschnallt und losgestapft. Der Erfolg war jedoch gleich wieder vorbei. Nach weiteren 30m war es auch so kaum mehr möglich Spuren in den gefrorenen Schnee zu treten. Die Zeit mit Tageslicht wurde durch diese Umstände noch dazu recht knapp, denn wir hätten noch ca. 300hm bewältigen müssen. Leider mussten wir uns eingestehen, dass das so nicht funktionieren wird und brachen deshalb an dieser Stelle ab. Schweren Herzens fuhren wir also wieder runter.

Zurück am Auto angekommen war der Sonnenuntergang in seiner vollen Pracht, da war ich dann schon etwas traurig über die misslungene Tour.  Aufgrund der Temperaturen haben wir die Verhältnisse auf der Aufstiegsroute leider falsch eingeschätzt und somit unser Scheitern selbst zu verantworten. Aber wie ein altes Sprichwort besagt: „Man lernt nie aus“. Und somit bin ich auch dankbar, dass ich hier wieder etwas lernen durfte und die gewonnene Erfahrung bei der nächsten möglichen Winternacht mit einbeziehen kann.

Christian und ich ließen das Wochenende noch am Kuhmesser mit einem traumhaften Sonnenuntergang ausklingen. Dies war eine tolle Entschädigung an uns selbst.

Die letzten Sonnenstrahlen erleuchten noch das Inntal.

© Barbara Saxl (Februar 2021)

Thomas Reichart
Christian Bendler
Patricia Pallhuber

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