Ecuador Teil 4 – Ein stürmischer Rückzug

14.08.2019-18.08.2019

Tag 13

Durch die Enge im Zelt und dem Sturm draußen, war an Schlaf kaum zu denken. Stündlich blickte ich immer wieder auf die Uhr und hoffte so sehr, dass sich der Wind in den Morgenstunden wieder legen würde, damit der Abstieg sicherer ist. Ein Gipfelversuch zu wagen, wäre kompletter Irrsinn gewesen, denn schon allein das auf die Toilette gehen war bei diesem Wind kaum zu schaffen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde es im Hochlager am Chimborazo langsam hell, doch der Sturm tobte unnachgiebig. Jeder versuchte in dem Chaos seine Habseligkeiten zu finden und wieder sicher im Rucksack zu verstauen. Als ich dann einen Schritt vors Zelt wagte war es im ersten Moment kaum möglich zu atmen. Der Wind raste mit mehr als 100 km/h über unser Lager hinweg und wirbelte nach wie vor Sand und Kies auf. Die Querung zum Grat hinaus war ein immenser Kraftakt, alle wurden wie Marionetten hin und her geschoben. Voll konzentriert versuchte ich einen Schritt nach dem anderen zu setzen und gleichzeitig so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Irgendwie schafften wir es alle unverletzt abzusteigen, nur ein Helm fiel dem unbarmherzigen Wetter zum Opfer.

Der Gipfel komplett von den Wolken verschlungen.

Anschließend hieß es von den ersten in unserer Reisegruppe Abschied zu nehmen. Vier Teilnehmer der Gruppe reisten auf die Galapagos-Inseln weiter, während der Rest sich auf Erholung am „Tor zum Dschungel“ freute.

Nach ein paar Stunden Fahrt trafen wir in Banos ein. Die Ortschaft liegt auf 1800m und war somit der „tiefste“ Punkt unserer Reise. Dort gönnten Christian, Benno, Stefan und ich uns ein Bad in einem der Thermalbäder. In Banos entspringen zahlreiche schwefelhaltige Quellen, die diese Bäder speisen.

Tag 14

Den Vormittag nutzten wir noch für Sightseeing bevor es zurück nach Quito ging. In der Umgebung von Banos gibt es zahlreiche Wasserfälle, einer der bekanntesten ist der Pailón de Diablo. Nicht nur der Wasserfall selbst ist spektakulär, sondern auch der Weg dorthin. Wenn man möchte kann man bis fast hinter den Pailón de Diablo gehen, nur sollte man unbedingt auf seinen Kopf aufpassen.

Der imposante Pailón de Diablo. Hier kann man ihn aus sicherer Entfernung bestaunen. Ein äußerst spannender Weg führt auch bis fast hinter dem Wasserfall.

Tag 15

Zurück in der Hauptstadt hieß es Abschied nehmen, denn der Rest der Gruppe trat nun die Heimreise an. Am Vormittag bummelten wir noch alle gemeinsam durch einen Künstlermarkt, so konnte jeder noch die richtigen Mitbringsel für zu Hause finden.

Christian und ich hatten unseren Aufenthalt noch um zwei Tage verlängert und konnten noch ganz in Ruhe Quito und Umgebung erkunden. Wir nutzen diesen Tag vor allem dafür, um noch etwas von der Stadt zu sehen. Wir statteten dem Amphibienhaus und dem botanischen Garten einen Besuch ab.

Die Eingänge zum Künstlermarkt. Ideal um das ein oder andere schöne Souvenier noch zu kaufen.

Tag 16

Nach zwei Tagen „Bergfrei“ zog es uns natürlich wieder in die Höhe. Christian und ich wollten noch unbedingt den Hausberg Quitos erklimmen. Auf dem Gipfel zum Pichincha gibt es zwei gängige Routen, den Normalweg und den „Paso de la muerte“. Letzterer ist eine wundervolle Grat-Kraxelei mit einer maximalen Schwierigkeit von 2+. Aus zeitlichen Gründen nutzen wir wieder die Seilbahn. Oben angekommen versuchten wir so viele Menschen wie möglich hinter uns zu lassen, um nicht hinter jemandem am Grat klettern zu müssen.

Trotz ausgezeichneter Akklimatisierung spürte ich die Höhe noch gut. Christian versuchte Tempo zu machen und ich hechelte hinterher. Am Grat angekommen hatten wir unser Ziel erreicht und konnten als erstes in die Route einsteigen. Es machte richtig Spaß und das Wetter spielte dieses Mal auch mit. Nach ein bisschen mehr als zwei Stunden erreichten wir den Gipfel Rucu Pichincha auf 4696m, aber natürlich war uns das noch nicht genug. Der Vulkan Pichincha besteht aus mehreren Gipfeln und so nahmen wir noch den Cero Ladrillos mit 4561 und Padre Encantado mit 4520m mit.

Der Paso de la muerte (deutsch Pfad des Todes) ist eine wunderbare Grat-„Kraxlei“ mit Tiefblick.

Der Abstieg zog sich dann sehr in die Länge. Mussten wir doch 1500hm und etliche Kilometer noch absteigen. Nach 17 km warfen Christian und ich das Handtuch und haben einen Einheimischen gebeten uns bis nach Lloa mitzunehmen.

Die Busfahrt von Lloa nach Quito zurück war auch ein Erlebnis. Der Bus fuhr hupend durch die ganze Ortschaft und zeigte so an, dass die Fahrt beginnt. Glücklicherweise stiegen Christian und ich schon bei der ersten Station ein. Nicht sicher, wo genau die Endstation des Busses ist, checkte ich während der Fahrt immer wieder den Standort auf Google Maps. Nach ca. einer Stunde mussten wir südlich der Altstadt den Bus verlassen und organisierten uns gleich ein Taxi. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt erreichten wir unser Hotel. Glücklich und zufrieden ließen wir unseren letzten Tag in einem kolumbianischen Restaurant ausklingen. Am nächsten Morgen flogen wir zurück nach Hause.

© Barbara Saxl (November 2019)

Christian Bendler



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