Ecuador Teil 3 – Isolierung aus Eis

10.08.2019-13.08.2019

Tag 9

Der Tag vor der Besteigung des Cotopaxi (5897m) startete sehr entspannt. Am Morgen saßen wir alle gemeinsam am Frühstückstisch und genossen ein Essen, dass aus frischem Obst, Ei und Brot bestand. Nachdem wir gegen 12 Uhr alle ausgecheckt hatten, verluden wir unser gesamtes Gepäck in den Bus. Wir fuhren wieder hoch zum Parkplatz unterhalb der Jose Ribas Hütte.

Der Anstieg bis zu unserer Unterkunft war dieses Mal leichter zu bewältigen. Der Wind war nicht so stark als am Tag zuvor. Oben angekommen machte sich nach einiger Zeit deutliche Müdigkeit breit, was normal auf solcher Höhe ist sobald die Atmung durch die Ruhe flacher wird. Am Abend genossen wir auf 4800m ein ausgezeichnetes Abendessen und anschließend wurden uns unsere Bergführer vorgestellt. Die Einteilung war ein Guide pro zwei Bergsteiger. In Ecuador ist man dazu verpflichtet, als Ausländer, einen Bergführer für alle Berge in Nationalparks über 5000m zu engagieren.

Unser Führer war Fredy. Fredy’s Spitzname ist „Maultier“, aufgrund seiner Stärke. Er hat auch schon mehrere Male den Aconcagua 6962m und den Denali 6190m (Seven Summits) bestiegen. Nach einem kurzen Kennenlernen gings auch sofort zu Bett. Die „morgige“ Besteigung startete immerhin schon um 01:00 Uhr früh.

DIe Aussicht von der Jose Ribas Hütte. Diese liegt auf ca. 4800m.

Tag 10

Nun war es soweit, der zweithöchste Berg Ecuadors sollte erklommen werden. Nach einer kurzen aber überraschenderweise schlafreichen Nacht, wurden wir um Mitternacht geweckt. Der Plan war, dass wir alle gemeinsam los gehen und sobald wir am Gletscher ankommen, uns in die einzelnen Gruppen teilen. Als wir die Hütte verließen empfing uns wieder schlechtes Wetter. Es nieselte leicht aus dem Nebel heraus und natürlich bließ uns der Wind kräftig um die Nase.

Jedoch rissen die Wolken immer wieder kurzfristig auf und so konnten wir in der tiefschwarzen Nacht Lichter am Horizont erkennen. Nach ca. 1-1,5h hatten wir den Gletscher erreicht und Christian, Fredy und ich konnten als erste Gruppe losstarten. Zwar überholte uns nach einigen Höhenmetern Stefan mit seinem Guide aber wir machten nach wie vor ein gutes Tempo. Mit der Zeit wandelte sich der leichte Regen in gefrierenden Regen und Schnee um, langsam bildete sich auch eine leichte Isolierschicht aus Eis auf meinem Körper. Trotz dieser Bedingungen fühlte ich mich gut und stark.

Irgendwann zwischen 05:15 und 05:30 befanden wir uns schon kurz unterhalb des Gipfels. An einem etwas windgeschützter Plätzchen trafen wir auch wieder mit Stefan zusammen. Leider waren wir mehr als eine halbe Stunde zu früh für den Sonnenaufgang und mussten so in der Dunkelheit und Kälte warten. Dies tat meiner Stimmung aber keinen Abbruch, kurze Zeit sangen und tanzten wir, um uns warm zu halten.

Gipfelsieg

Um kurz vor Sechs Uhr morgens bewältigten wir die restlichen Meter. Nur durch eine kleine Öffnung in den Wolken konnten wir einen Sonnenaufgang erahnen. Der Wind war am Gipfel sehr stark, den Krater konnten wir leider nicht sehen. Fotos waren nur sehr schwierig zu machen, den auf der Linse der Kamera bildete sich sofort eine Eisschicht.

Christian und ich am Gipfel des Cotopaxi. Nur mit Mühe schafften wir es uns die Fahne vom Wind nicht aus den Händen reißen zu lassen.

Nichtsdestotrotz war die Freude über das Geschaffte sehr groß und wir fielen uns alle in die Arme. Fredy war ein ausgezeichneter Führer und ich möchte mich (auch wenn er außer „gemma weiter“ und „scheiß Wind“ kein Deutsch versteht) nochmals für seine Qualität bedanken.

Im Abstieg trafen wir dann auf die restliche Truppe und wünschten ihnen noch alles Gute für die restlichen Meter. Für Stefan, Christian und mich wäre es besser gewesen später zu starten, das Wolkenmeer wurde nämlich immer lichter.

Am Ende des Gletschers angekommen, konnten wir uns endlich unserer Steigeisen entledigen. Dies war aber auch der Punkt wo ich die Anstrengung vom Tag sehr deutlich spürte und meine Konzentration stark abnahm. Nicht nur einmal rutschten mir die Füße unter dem Allerwertesten weg und ich saß komplett mit rotem Vulkanstaub bedeckt da.

Im Abstieg konnten wir dann doch noch etwas von der Aussicht genießen. Man beachte die Eisschicht auf der Kleidung von Christian.

Glücklicherweise ohne weitere Blessuren kamen wir an der Hütte an und konnten uns dort nochmals ein bisschen ausruhen, bis alle anderen vom Gipfel zurück waren. Nach einem überaus leckeren Frühstück begann der Abstieg bis zum Parkplatz und die Fahrt in die nächste Unterkunft.

(Christian hat seine Tiroler Flagge in der Hütte gelassen, fühlt euch eingeladen sie zu suchen und darauf eure Spuren zu hinterlassen)

Tag 11

Mit dem tollen Gefühl den Gipfel des Cotopaxi erreicht zu haben, wachte ich heute sehr erholt in unserer wunderschönen Hacienda auf. Nach einem ausgezeichnetem Frühstück hieß es aber wieder Sachen packen, den der nächste und letzte Berg dieser Reise stand in den folgenden Tagen am Programm.

Auf der Fahrt zum Fuße des Chimborazo machten wir ein paar Zwischenstopps. Unter anderem in der Ortschaft Latacunga, wo wir den Markt besuchten und eine typisch ecuadorianische Spezialität kosteten (Meerschweinchen). Anschließend führte uns unser Weg nach Urbina, wo der höchste gelegene Bahnhof Ecuadors zu finden ist. Da aber Schienenverkehr generell in Südamerika kaum Bedeutung hat, wird diese Zugverbindung vor allem zu touristischen Zwecken genutzt.

Die restliche Zeit des Tages konnten wir dann zur vollständigen Regeneration nutzen und so studierte ich wie immer den Wetterbericht. Auch dieses Mal versprach dieser nichts Gutes. Zwar sollte das Wetter etwas stabiler sein, aber sehr starke Winde (+80 km/h Windböen) herrschen. Mit wenig Zuversicht legte ich mich an diesem Abend schlafen.

Köstliches Obst und Gemüse findet man in Ecuador zu Hauf.

Tag 12

Nach der Ankunft im Nationalpark des Chimborazo konnten wir Vicunas in freier Wildbahn erblicken. Doch der starke Wind machte dies nicht gerade zu einem Genuss. Denn man war doch mehr damit beschäftigt sich den Sand aus den Augen zu wischen, als diese wunderbaren Tiere zu beobachten.

Das weitere Vorhaben war bis zum Hochlager auf ca. 5300m aufzusteigen, dort zu übernachten und gegen 2 Uhr des nächsten Tages den Aufstieg zum Gipfel zu wagen.

Wir starteten also auf ca. 4800m und waren zu Beginn noch in einem recht windgeschützten Bereich. Als wir dann am Grat angekommen sind, war der restliche Aufstieg für mich der reinste Kampf. Es stürmte so stark, dass ich kaum zwei Schritte machen konnte, ohne wieder einen Schritt zurück zu fallen. Es herrschten durchgängig mehr als 80 km/h Wind. Als ich mich nach den anderen umschaute, merkte ich, dass jeder dieselben Schwierigkeiten hatte. Meine Gedanken waren nur noch: Nein so nicht, so ist schon allein der Versuch morgen sinnlos. Leichte Frustration machte sich in mir breit, der starke Wind und der aufgewirbelte Sand, nagten schwer an meiner Motivation.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir doch alle sicher das Hochlager. Bis auf das Koch-Zelt war nichts aufgebaut, denn der Wind wäre auch für die Schlaf-Zelte zu stark gewesen. So versuchten wir uns dort alle mit einer Tasse Tee und etwas zu Essen von diesen Strapazen zu erholen.

Etwas später legte sich der Wind überraschenderweise und so machte sich Zuversicht breit. Die Zelte wurden aufgebaut und am ursprünglichen Plan festgehalten. Dies sollte sich jedoch später als keine gute Idee herausstellen.

Ein wundervoller Platz für das Hochlager auf 5300m.

Nun konnten wir alle sogar das Hochlager genießen, die Sonne strahlte in ihrer ganzen Pracht und die Temperaturen erlaubten es, draußen zu sitzen und die Aussicht zu genießen. Nach dem Abendessen war ich dann doch sehr müde und schlüpfte noch vor Sonnenuntergang in meinem Schlafsack.

Kurze Zeit darauf brach eine der schlimmsten Nächte an, die ich jemals erleben hab müssen. Pünktlich zum Sonnenuntergang kam der Wind zurück und das heftiger als zuvor. Da ich auf der „Windseite“ im Zelt lag, drückte es mir schon ständig die Zeltwand ins Gesicht. Sorge machte sich in mir breit, dass das Zelt halten würde. Christian redete zuversichtlich auf mich ein, doch konnte ich mich nicht mehr entspannen.

Schließlich wurden wir alle aus den kleinen Zelten evakuiert. Als ich aus dem Zelt rauskam, war es schier unmöglich einen sicheren Stand zu haben. Der Sturm wirbelte jede Menge Sand und Kieselsteine auf und so mussten wir alle fast blind den Weg zum Hauptzelt finden. Dank der Guides haben wir es alle geschafft und lagen dort die restliche Zeit der Nacht eng wie Sardinen zusammen.

Wie es weiter geht erfährt ihr in Teil 4.

© Barbara Saxl (Oktober 2019)

Christian Bendler

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