Watzmann Ostwand – ein alpines Abenteuer

Nachtrag vom 12.10.-13.10.2018

Da kommt was Großes

Nach meinem Projekt „four in eight“ war die Zeit gekommen wieder etwas Größeres in Angriff zu nehmen. Dieses Mal wollten wir gemeinsam mit Jan und Matthias einen neuen Versuch auf die Dufourspitze starten. Leider machte uns das Wetter wieder einen Strich durch dir Rechnung und eine Alternative musste her. Jans Idee die Watzmann-Ostwand über den Berchtesgadener Weg zu durchsteigen löste bei uns alle Begeisterung aus.

Zwar weist die die Route eine maximale Kletterschwierigkeit von 3+ auf, doch sollte man die 1800 Meter Wandhöhe und die Kletterlänge von ca. 3 Kilometern nicht unterschätzen. Auch ist die Orientierung in der Wand selbst eine Herausforderung, da man schnell in Klettergelände mit weit höherem Schwierigkeitsgrad landen kann.

Anreise und Überfahrt nach St. Bartholomä

In Schönau am Königsee, bei der Anlegestelle der Fähre, war der verabredete Treffpunkt. Wie immer konnte ich vor solchen Besteigungen keine Sekunde ruhig sitzen bleiben und lief bis zum Eintreffen von Jan und Matthias aufgeregt den Steg auf und ab. Mit eine der letzten Fähren starteten wir die Überfahrt nach St. Bartholomä.

St. Bartholomä, im Hintergrund sieht man die Watzmannostwand.

Angekommen auf der Halbinsel organisierten wir uns den Zugang für das Watzmann-Ostwandlager und spekulierten darüber, wer von den anwesenden Gästen noch ein Ostwandaspirant ist.

Der Abend war noch jung und so erkundeten wir die Gegend und genossen den Ausblick am Königsee. Zurück am Ostwandlager kamen wir mit anderen Bergsteigern ins Gespräch und nutzen die Gelegenheit, um die beste Strategie auszuarbeiten, denn einer der Anwesenden hatte die Ostwand schon erfolgreich durchstiegen.

Das Ostwandabenteuer geht los

Am nächsten Morgen klingelte mein Wecker schon um halb fünf, denn wir wollten es so timen, dass der Einstieg in die Wand mit dem Sonnenaufgang zusammentrifft.

Nach dem lichter werden des Waldes stiegen wir auf dem markierten Weg Richtung Eiskapelle und gingen linkshaltend vom Bach auf eine Moräne bis zu der Gedenkstafel. Mit einen GPS Tracker ausgestattet erfolgte der Start der Klettertour. Die anfängliche Routenfindung gestaltet sich nicht sonderlich schwierig, immer wieder sind leichte Kletterpassagen zu überwinden.

Jan, Matthias und ich beim überwinden einiger Kletterstellen.

Eine kurze Unachtsamkeit

Als uns langsam die direkte Sonneneinstrahlung traf, passierte dann ein Missgeschick. Jan konzentrierte sich zu sehr auf den GPS-Tracker und achtete nicht mehr wohin er trat. Ein lockerer Stein unter seinen Fuß kippte weg und er kam zu Sturz. Glücklicherweise befanden wir uns auf einem breiten Fels-Band und bis auf ein zerstörtes elektronisches Gerät war nicht viel passiert.

Nach dieser Schrecksekunde atmeten wir alle tief durch und ermahnten uns, fokussiert zu bleiben. Jedoch ohne den Tracker mussten wir uns vollends auf den eigenen Orientierungssinn verlassen. Auf einem Grasvorsprung gönnten wir uns dann die erste richtige Pause. Wir überprüften anhand der Topos, ob wir richtig waren. Leider mussten wir feststellen, dass wir uns nicht mehr auf der korrekten Route befanden. Etwas rechts oberhalb von uns erkannte ich dann einen anderen Bergsteiger. Wir waren sichtlich froh, dass eine einfache Querung uns den Weg zurück zur richtigen Route ermöglichte. Wie ich später herausgefunden habe, handelte es sich hierbei um Maximilian Gierl, ein ausgesprochen talentierter Fotograf und starker Bergsteiger.

Unser Pausenplatz am Grasvorsprung. Von hier aus konnte man schon den wundervollen Ausblick genießen.

Kurz darauf erfolgt eine plattige Kletterei zur Wasserfallwand. „Oje“ kam mir da in den Sinn, denn diese Stelle mit ein paar rutschigen Tritten machte mir doch Sorge. Problemlos habe ich aber auch dies gemeistert. Die Abzweigung anschließend nach rechts sollte man nicht verpassen. Bei uns stand glücklicherweise ein Steinmännchen zur Orientierungshilfe vor Ort.

Alles klar auf dem Weg nach oben

Danach war die weitere Routenfindung relativ klar und kurz nach der Drabensteinplatte erreichten wir das leuchtend orange Biwak. Schon etwas müde lies ich mich auf der Bank daneben nieder und genoss einfach nur den Anblick, der sich mir bot.

Nun begann der Schlussanstieg mit der bevorstehenden Schlüsselstelle. Für das 8 Meter hohe Wändchen nutzen wir die angebrachten Bohrhaken. Jan und Christian kletterten vor und sicherten Matthias und mich nach. Die restlichen Meter bis zum Gipfel der Südspitze waren klettertechnisch nicht mehr schwierig und so konnten wir uns wenig später erfolgreich „Bergheil“ wünschen.

Nach erfolgreicher Durchkletterung der Watzmann-Ostwand am Gipfel der Südspitze. Von links nach rechts: Ich, Christian, Matthias und Jan.

Die Konzentration darf nicht nachlassen

Nach fast sieben Stunden in den Füßen war der Gipfel jedoch noch lange nicht das Ende. Volle Konzentration war für den Abstieg gefragt, führte der weitere Weg doch als Gratkletterei über die Mittelspitze bis zum Hocheck. Zu allem Übel quälte uns inzwischen der Durst, denn uns waren alle Wasservorräte schon ausgegangen. Glücklicherweise fanden wir auf der Mittelspitze ein Schneefeld und mit Jans mitgebrachten Kocher konnten wir etwas Schnee schmelzen. Danach ging es mit den aufgefüllten Flaschen weiter.

Jan am Grat und im Hintergrund die Südspize des Watzmanns

Inzwischen schon deutlich erschöpft trafen wir beim Watzmannhaus ein und da kam dann für mich die bittere Erkenntnis. Nach insgesamt 10 Stunden warteten noch zwei weitere Stunden Abstieg auf uns. „I mog nimma, des kus woi net sei, des is woi a schlechter Witz“ entfuhr es mir. „Hilft nix“ war die Antwort, die ich bekam.

Der „Einkehrschwung“

Bei der Mitterkaseralm am Watzmann trafen wir dann noch ganz unerwartet auf offenen Türen. Man kann sich gar nicht vorstellen wie gut ein Almdudler schmeckt und nach dieser Erfrischung wurde der letzte Streckenabschnitt in Angriff genommen. Als wir dann schon im dunklen auf die Straße trafen, gönnten wir uns ein Taxi für die Fahrt zu unseren Autos und ließen den Abend feierlich mit einem Menü im McDonalds ausklingen.

© Barbara Saxl (Mai 2019)

Jan Regenfuss
Matthias Laumann
Christian Bendler

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